Realisierungswettbewerb JUNG Gründervilla in Schalksmühle

Die Ausgangssituation für die Erarbeitung des vorliegenden Konzeptes ist die Zusammenführung dreier Faktoren: eine Villa mit persönlicher Vergangenheit, eine beeindruckende Landschaft mit großen Höhenunterschieden und der Wunsch nach mehr Nutzbarkeit und Raum. Hieraus entsteht die Chance, historische Qualitäten mit Zukunftsfähigkeit zu vereinen und zusätzlich den nicht gänzlich erschlossenen Weitblick auf das Naherholungsgebiet Schalksmühle freizulegen. 

Das Konzept kombiniert den weitestgehend behutsamen Erhalt des historischen Gebäudes, eine enge Verknüpfung von repräsentativen und praxisorientierten Raumnutzungen, das Hinzufügen zeitgemäßer Gebäude- und Geländebestandteile wie Panoramaaufzug, neue Verbindungswege und ausreichend Parkmöglichkeiten sowie eine elegante Verbindung von Bestand und neuen Gebäudekomponenten. Diese Maßnahmen sollen dem Firmensitz eine repräsentative, lebendige und zukunftsorientierte Verwendbarkeit garantieren.

 

 

Die großen Höhenunterschiede in der Umgebung und die Hanglage des Bestandsgebäudes wirken in besonderer Weise auf den Betrachter. Es wird ein seltener Weitblick geboten, der eine zentrale Bedeutung bei der Erarbeitung des Gebäude- und Geländekonzeptes gespielt hat. Die vorhandenen Qualitäten sollen nicht nur betont werden, es sollen sich ganz neue räumliche Erfahrungen ergeben, die einen erheblichen Mehrwert für die zukünftigen Nutzer darstellt. 

Als Konsequenz dieser Zielsetzungen wird das Bestandsdach durch ein offenes, Weitblick bietendes Staffelgeschoss  ersetzt, das zentrale Inhalte, die Entwicklung und Präsentation neuer Produkte, aufnehmen wird. Es stellt sich die Frage, ob ein scheinbar weitreichender Eingriff in das Bestandsbauwerk mit der Aufgabenstellung -Würdigung des Bestandes- vereinbar ist. Unter der Annahme, dass eine offene und flexible Raumstruktur, die jederzeit neue Nutzungsinhalte aufnehmen könnte, ohne dabei zwischen Bestand und Neubau unterscheiden zu müssen, eine Maximierung der Zukunftssicherheit für das Gebäude darstellt, kann die Frage mit ja beantwortet werden. Die beste Voraussetzung für ein lange bestehendes Gebäudekonzept ist eine möglichst lebendige Nutzbarkeit, Teil der Zukunft zu sein, ist für den Bestand eine besondere Würdigung. Das begehbare Panoramadach bietet den Besuchern einen zuvor ungeahnten Ausblick über die Baumwipfel hinweg. Das neue Dachgeschoss hat eine direkte räumliche Beziehung zu dem Anbau, der mit dezenten Erweiterungen auf der Fläche des ehemaligen Garagengebäudes steht. Möglich wird dies dadurch, dass der Raum zwischen dem neuen Dachgeschoss und dem Anbau mit einem verbindenden Dachelement geschlossen wird und so ein zusammenhängendes Raumgefüge entsteht. An dieser Stelle wird der Charme des Bestandsgebäudes besonders hervorgehoben. Da die Nordfassade nun Innenwand wird, ist eine bauphysikalische Veränderung nicht notwendig, alle Elemente der gestalterisch prägenden Balkonkonstruktion können unverändert erhalten bleiben und bieten so eine spannende Verbindung zwischen Bestands- und Neubauelementen.

 

 

Die hier gelegene Außentreppe wird, in neuer Gestalt, ebenfalls erhalten und bietet eine direkte Verbindung in die Gartenebene aus dem Verbindungsbau heraus. Da diese Verbindungsachse mit ihrer Fokussierung des Blickes auf Landschaft und Garten ein bestandsprägendes Merkmal ist, wird die Integration in das neue Gesamtkonzept für den Betrachter als Betonung der Qualitäten des Bestandes verstanden werden. Der vorhandene innenliegende Treppenraum wird restauriert und in das neue Erschließungskonzept integriert, über diesen werden die beiden Apartments im ersten OG erschlossen. Die geforderten Bedingungen des Raumprogramms können hier mit geringem baulichen Aufwand sehr gut erfüllt werden, jedem Apartment kann zusätzlich ein Bestandsbalkon zugewiesen werden. Letztendlich passt die historische kleinteilige Raumstruktur sehr gut zu eleganten Apartments, offene und lichtdurchflutete Raumstrukturen der neuen Gebäudekomponenten zu einer lebendigen Kreativ-Werkstatt und repräsentativer Produktpräsentation, der inhaltliche Geschosstausch ist die sinnvolle Konsequenz. Um eine vollständige Barrierefreiheit zu gewährleisten, nimmt der Verbindungsbau zusätzlich einen verglasten Panoramaaufzug auf, der von der Gartenebene bis auf die hochgelegene Dachterrasse führt und so die Erschließung des Gebäudes für jeden Nutzer und Besucher zum besonderen Erlebnis macht. 

 

Druckversion Druckversion | Sitemap
© Architekturbüro Milan Schmitt